Kita als Lernort

1. Körper, Gesundheit und Ernährung

Essen

Kinder haben grundsätzlich Freude am Essen. Gemeinsame Mahlzeiten sind etwas Schönes, das mit Geborgenheit ,Nähe und Gemeinschaft eng verknüpft ist. Es bedeutet gleichzeitig auch Neues entdecken und Lernen, was Kleinstkinder in Form von Spiel tun. Daher ist es naheliegend, das Essen mit allen Sinnen untersucht und viel gematscht wird. Durch das spielerische Erkunden der Nahrung lernen Kinder die verschiedenen Beschaffenheiten, Geschmäcker und Gerüche kennen. Deswegen ist es uns wichtig, dieses Erkunden nicht zu unterbinden. Die Kinder werden dazu angeregt, selbstständig zu Essen und wenn sie dies noch nicht mit Besteck können, dann auch gerne mit den Händen, denn die Sinneserfahrungen & Selbstständigkeit stehen im Vordergrund. Es wird währenddessen darauf geachtet, dass die Kinder eine wertschätzende Haltung zu den verschiedenen Nahrungsmitteln entwickeln und in ihrem Entdecken nicht verschwenderisch mit dem Essen umgehen.

Unser Bio-Mittagessen wird vom Caterer MittagsMühle geliefert, der in Köln in Kleinküchen kindgerechtes, biologisches und saisonales Essen zubereitet und täglich frisch zu uns in die Kita bringt.

Während unseres Mittagessens legen wir sehr viel Wert auf Ruhe und Selbstbestimmtheit. Die Kinder können selbst entscheiden, was und wie viel sie essen möchten. Wer fertig ist, räumt ab und lässt die anderen Kinder in Ruhe zu Ende essen, denn jedem Kind steht eine Umgebung ohne Stress und Ablenkung während des Essens zu.

2. Partizipation 

„Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.“ (UN Kinderrechtskonvention, Artikel 12)

 

Wir verstehen unsere Kita als Lernort für demokratisches Handeln und möchten das Mitwirken der Kinder fördern und die Entwicklung notwendiger Partizipationsfähigkeiten unterstützen. Partizipation im Sinne von Mitwirkung und Mitgestaltung basiert auf Partnerschaftlichkeit und einer dialogischen Grundhaltung. Wir geben die Rahmenbedingungen vor, in denen Kinder am Alltag teilhaben dürfen, da wir bestimmte Faktoren, wie z.B. Sicherheitsbestimmungen, Aufsichtspflicht, Hygiene trotz Mitbestimmungsrecht der Kinder einhalten müssen. Abgesehen von den

einzuhaltenden Bedingungen, möchten wir den Kindern so häufig wie möglich die Chance geben, ihren Alltag mitzubestimmen.

 

In der Praxis sieht Partizipation bei uns z.B. so aus: Die Kinder entscheiden selbst darüber, ob und wie viel sie Frühstücken bzw. Mittagessen. Im Begrüßungskreis, der an die Essenszeit anschließt, kann jedes Kind selbst sein Foto aufhängen. Dies bietet uns und den Kindern einen Überblick über die Gruppe und ermöglicht gleichzeitig eine Wertschätzung aller Kinder, ob anwesend oder nicht. Im Begrüßungskreis geht es dann weiter mit der Entscheidung, was an dem jeweiligen Tag gemacht wird. Dazu zeigen wir Fotos von den möglichen Aktivitäten (z.B. Spielplätze, Stadtgarten, Bücher lesen, Malen, Musik machen etc.) und lassen jedes Kind seine Stimme abgeben. Dadurch ermöglichen wir den Kindern, schon von klein auf ein demokratisches Grundverständnis zu entwickeln. Als Ziel von Partizipation haben wir außerdem stets die Selbstwirksamkeit der Kinder im Blick.

3. Schlafen

Dadurch, dass wir zwei aufeinanderfolgende Gruppen betreuen, gibt es bei uns keine, im Tagesablauf festgelegte gemeinsame Schlafenszeit. Die Kinder, die vormittags bei uns sind, machen ihren Mittagsschlaf nachdem sie abgeholt werden und die nachmittags-Kinder kommen in der Regel erst nach ihrem Mittagsschlaf zu uns.

Dennoch ist es uns sehr wichtig, dass die Kinder schlafen können, wann immer sie müde sind. Vor allem in den ersten Wochen bis Monaten der Kitazeit hat sich der Schlafrhythmus der meisten Kinder noch nicht ganz umgestellt. Daher brauchen viele Kinder vor allem in dieser Anfangszeit noch etwas Ruhe und Schlaf bei uns.

Wir legen großen Wert darauf, dass die Kinder diese Ruhe bekommen und begleiten sie, je nach Vorliebe, im Bett, Tragetuch oder Kinderwagen in den Schlaf. Bei uns wird kein Kind künstlich wachgehalten, weil ihr Schlafrhythmus evtl. nicht zum Tagesablauf passt, sondern wir bieten den Kindern die Möglichkeit, zu schlafen, wenn sie es brauchen, da uns bewusst ist, dass Schlaf einen sehr großen Einfluss auf die kindliche Entwicklung hat.

Mozartkugeln_AA-31.jpg

4. Selbstwirksamkeit 

Wir sehen Kinder als soziale und kompetente Wesen, die sich von Anfang an mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Durch das Vertrauen, das wir in sie und ihre Fähigkeiten setzen, erleben die Kinder bei uns ein sicheres Umfeld mit vielfältigen Gelegenheiten, in denen sie sich Dinge (zu-)trauen, ausprobieren und realisieren können. Dabei legen wir den Fokus auf die Selbstständigkeit der Kinder, während wir unterstützend zur Seite stehen. Durch diese Selbstwirksamkeitserfahrungen entwickeln Kinder ein Vertrauen in die eigene Person und die eigenen Fähigkeiten.Kinder entwickeln früh ihren eigenen Willen und wünschen sich, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, selbstbestimmt und autonom zu handeln.

Dabei ist die von Kindern gewünschte Autonomie nicht grenzenlos, sondern beschränkt sich für gewöhnlich auf ebenjene Entscheidungen, die sie mit ihren vorhandenen Fähigkeiten für sie in erfolgreiche Resultate umsetzen können. Dadurch kommt es häufig zu Diskrepanzen mit der Außenwelt, da Kinder noch nicht alle relevanten Aspekte mit in ihre Entscheidungen einbeziehen. In diesem Konflikt begleiten wir die Kinder liebevoll, indem wir ihre Wut zulassen und ihnen Strategien bieten, ihre Emotionen zu regulieren.

Unser Ziel bei der Ermöglichung von Selbstwirksamkeitserfahrungen – also in diesem Beispiel das Erfolgserlebnis, selbst die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben – ist es, einen geschützten Rahmen zu schaffen und gleichzeitig beim Kind ein Gefühl des Kontrolliert-werdens vermeidet.

Kita_neu-12.jpg

5. Freispiel

Durch die Gestaltung anregender Aktionsbereiche möchten wir für unterschiedliche Kinder, unterschiedliche Möglichkeiten der Herausforderung und der Entwicklung schaffen, in denen sie durch unverplantes (Frei-)Spielen Selbstwirksamkeitserfahrungen machen können. Um möglichst viele Kinder mit ihrem jeweiligen Entwicklungsstand anzusprechen werden vielfältige Spielmaterialien ausgewählt, die sich hinsichtlich ihrer Qualität und ihrem Schwierigkeitsgrad in der Handhabung unterscheiden. So schaffen wir Bildungsgelegenheiten und Freispielräume, in denen die Lebenswirklichkeiten all unserer Kinder sich widerspiegeln und verarbeitet, verstanden, nachgespielt und besprochen werden können.

Das kindliche Spiel erhält als zentrales Mittel dazu einen besonderen Stellenwert in der pädagogischen Arbeit. Durch das Spiel entfalten Kinder ihrer Potenziale und probieren ihre Erfahrungen und ihr bereits erworbenes Wissen innerhalb neuer Situationen aus. Das Spiel ist das Feld auf dem die Vermittlung zwischen der Innenwelt (Ich) und der Außenwelt geschieht. Kinder spielen bei uns frei und selbstbestimmt.

6. Kindliche Sexualität 

Schon in den frühen Jahren spielen Körper- und Sinneserfahrungen, der Umgang mit Geschlecht, Sexualität und kindliches Schamgefühl eine bedeutende Rolle. Eine positive Grundeinstellung zum eigenen Körper stärkt das Wohlbefinden, das Selbstbewusstsein und trägt somit zur Entwicklung der Persönlichkeit bei. Die kindliche Sexualität ist demnach ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung von Jungen und Mädchen und ebenso der pädagogischen Arbeit in unserer Kita. Mit dem Verständnis, dass ein Bewusstsein für Sexualität entwickelt werden muss, möchten wir Bildungsanlässe schaffen und Lernmomente zulassen und unterstützen.

Neben einer sexualfreundlichen Pädagogik streben wir in der Kita auch eine geschlechterbewusste Pädagogik im Alltag an. Mit der Grundhaltung, dass alle Mädchen und Jungen die gleichen Rechte und denselben Anspruch auf die Entfaltung ihrer Potenziale haben, verfolgen wir das Ziel der Chancengleichheit. Unter Berücksichtigung geschlechterbezogener Unterschiede (Interessen und Entwicklung) eröffnen wir Lehr- und Lernräume mit der Anerkennung von individuellen Unterschieden zwischen jedem einzelnen Kind. Dabei vermeiden wir stereotype Geschlechterrollen und schaffen eine Kultur der Vielfalt.